Rückblick: Konferenz “Archäologische Prospektion” in Mainz
Zwei Tage Vorträge u
nd Diskussionen zur zukünftigen Vernetzung von Luftbildarchäologie, Geophysik und Fernerkundung liegen hinter uns. Geladen hatte die Arbeitsgruppe “Archäogeophysik” von David Jordan hier am Forschungszentrum Erdsystemwissenschaften der Uni Mainz.
Die Vorträge (pdf des Programms) deckten annähernd das ganze Spektrum ab. Der Freitag widmete sich vor allem den geophysikalischen Methoden; am Samstag kamen Luftbildarchäologie, LIDAR und auch die Datenverarbeitung zum Zuge.
Schnell stellte sich die Beschränkung der Tagung auf “Prospektionsmethoden in der Archäologie Deutschlands” als Motor für überschaubare und intensive Diskussionen heraus. Die sonst häufig auf diesen Veranstaltungen anzutreffende “Leistungsschau” mit eindrucksvollen Bildern und den Verzicht auf jede Problematisierung entfiel damit bis auf wenige Ausnahmen. Dass kommerziell arbeitende Firmen diese Tagungen nutzen, um Werbung in eigener Sache zu machen, ist in Ordnung – ohne sie gäbe es die archäologisch-geophysikalische Prospektion wie wir sie heute kennen schlicht nicht und die Beiträge der Firmen PZP, GGU Karlsruhe und Eastern Atlas haben auch inhaltlich Schwerpunkte setzen können.
Die kritische aber konstruktive Atmosphäre zeigte sich vor allem nach dem Beitrag von Kerstin Lehmann (Universität Kiel) über die neuartige Methodik der Gamma-Scintillation-Prospektion. Die Auswertung ihrer Ergebnisse wurde mitunter heftig kritisiert, gleichzeitig aber wiesen vor allem die Altgedienten darauf hin, dass auch die heute etablierte Geomagnetik anfangs ähnliche Widerstände zu überwinden hatte.
Erstaunlich für eine zweitägige Konferenz, die zudem an einem Freitag und Samstag stattfand, war die geringe Fluktuation. Mit der Verteilung der Schwerpunkte im Tagungsprogramm war nicht auszuschließen, dass die Geophysiker am Freitag Abend ins Wochenende gehen und LIDAR- und Fernerkundungsspezialisten erst am Samstag dazustoßen. Weder das eine noch das andere war nach meiner Beobachtung in nennenswerter Zahl der Fall. So hat also eine relativ homogene Gruppe von ca. 50 Teilnehmenden viel voneinander lernen können.
Die Überraschung des zweiten Tages war für mich die einhellige Aussage aller dazu Vortragenden, dass die Luftbildarchäologie stagniert wenn nicht schrumpft. Dabei waren auch in Mainz wieder eine ganze Reihe Beispiele zu sehen, dass mehrfache Befliegungen auch Jahre später immer neue Befunde ergeben. Zudem hat Otto Brasch als sicher erfahrenster Luftbildarchäologe auf schlummerndes Potential etwa in Zusammenarbeit mit Agrarwissenschaftlern hingewiesen.
Zum Samstagnachmittag kann ich nur folgendes sagen: Mein Beitrag war mit den anderen in keiner Form abgestimmt. Johannes Valenta und ich kennen uns zwar seit dem vergangenen Jahr, als wir den GIS-Workshop hier Mainz gemeinsam vorbereitet haben. Dass sich die Vorträge zum Umgang mit den digitalen Prospektionsdaten, auch der von Holger Bischoping, aber so ergänzten und in die gleiche Richtung wiesen – das war so nicht zu erwarten: Sensibilisierung für den Umgang mit den digitalen Datenbeständen, transparente Verarbeitung mit vollständig bekannter Algorithmik, saubere standardisierte Prozessierung und Dokumentation, Vorhalten der Daten inkl. Erarbeitung von Metadaten-Standards, Nutzen der OGC-spezifizierten Dienste und die dafür zur Verfügung stehenden FOSSGIS-Werkzeuge etc.
Insgesamt festzuhalten bleibt für mich eine Interpreationsfixierung. Als Ergebnis einer Prospektion scheinen nur interpretierbare Befunde zu zählen. Das wirklich belastbare Aussagen aber nur über den “Methodenmix” (Johannes Valenta in seinem Vortrag) möglich sind, muss einfach von allen beteiligten Teildisziplinen schlicht anerkannt werden. Aus der zusammenhängenden Auswertung von geophysikalischen Eigenschaften und Fernerkundungsbefunden erst können sich neue Ansätze im Verständnis ergeben.
In diese Richtung argumentierte auch David in seiner Zusammenfassung: Es könne nicht nur darum gehen, mit immer größerer und schnellerer Sensorik im “Malen-nach-Zahlen-Prinzip” “paintings of archaeological landscapes” zu erstellen, sondern das Verständnis, wie die gemessenen Werte zu Stande kommen zu vertiefen.
Die lebhafte Schlussdiskussion führte schnell zu dem Konsens, dass es eine Plattform zum ständigen Austausch braucht. Ich habe dann den Hut aufgesetzt (bekommen), das zu arrangieren, mich ein wenig umgeguckt und nun eine solche ganz im Sinne von FOSS eingerichtet (Jeder kann mitmachen, muss sich nur registrieren und wird dann freigeschaltet).